{"id":6,"date":"2012-09-28T17:29:52","date_gmt":"2012-09-28T15:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/?p=6"},"modified":"2013-04-11T20:38:14","modified_gmt":"2013-04-11T18:38:14","slug":"hommage-katalogbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/?p=6","title":{"rendered":"Hommage (Katalogbeitrag)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, wenn ich in mein Atelier gehen kann, die T\u00fcr nach drau\u00dfen schlie\u00dfen, und einfach malen kann, sagte Sabine Herrmann einmal in einem Gespr\u00e4ch. Das ist das Zimmer f\u00fcr sich allein, das Virginia Woolf f\u00fcr alle Frauen forderte, und mehr noch, es bedeutet auch den Schl\u00fcssel dazu.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Sabine Herrmanns Bildern geht es auch um R\u00e4ume &#8211; R\u00e4ume, die aus Farbe und Kompositionen von Strukturen entstehen. In vielen Schichten tr\u00e4gt Sabine Herrmann in Wasser oder Acryl gel\u00f6ste Pigmente auf Papier auf, sie wischt entstandene Farbverl\u00e4ufe wieder aus, ganz handfest mit Tuch und B\u00fcrste, \u00fcbermalt erneut und so entstehen vielschichtige Farbr\u00e4ume und durch Linien, Kreuzungen, Knotenpunkte und Schwerpunkte r\u00e4umliche Architekturen, die manchmal architektonische Fragmente mit ins Bild nehmen. So erahnt der Betrachter die Seitenbegrenzung einer Rolltreppe (schwarz monodie, 2007) oder den Anschnitt eines Fensters, einer Wand (patio, 2010). Auf der Grenze von Abstraktion und Figuration sieht man Figuren, eine schwarze Bl\u00fcte (dark flower, 2011) oder eine Menschenansammlung in der Reihe der Lampedusa-Monotypien. Daneben entstehen in den gleichen Arbeiten v\u00f6llig autonome, freie Formfindungen. Da legt sich zum Beispiel in \u201cpatio\u201c eine wei\u00dfe transparente Linienf\u00fchrung in vielen Windungen und \u00dcberkreuzungen \u00fcber eine farbige Komposition, die ihrerseits eine bestimmte R\u00e4umlichkeit schafft. Dieses Wei\u00df bedeutete in der klassischen Malerei eine H\u00f6hung, das hei\u00dft ein Nach-Vorn-Ziehen des Dargestellten, eine besondere Hervorhebung. Hier bedeutet es das Eigene, aus gemachten Erfahrungen Verdichtete zu finden.<\/p>\n<div id=\"attachment_10\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/S._Hermannongoing_dialogue_2012.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-10\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-10\" title=\"Sabine Herrmann, ongoing dialogue, 2012\" alt=\"Namensz\u00fcge von K\u00fcnstlerinnen, die Sabine Herrmann zu ihren Vorbildern z\u00e4hlt, beidh\u00e4ndig geschrieben\" src=\"http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/S._Hermannongoing_dialogue_2012.jpg\" width=\"500\" height=\"357\" srcset=\"http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/S._Hermannongoing_dialogue_2012.jpg 500w, http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/S._Hermannongoing_dialogue_2012-300x214.jpg 300w, http:\/\/blog.galerie-schwenk.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/S._Hermannongoing_dialogue_2012-420x300.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10\" class=\"wp-caption-text\">Sabine Herrmann, ongoing dialogue, 2012<\/p><\/div>\n<p>In den k\u00fcnstlerischen Arbeiten Sabine Herrmanns geht es auch um den Zugang zu den inneren R\u00e4umen, zu dem, was jemanden ausmacht, zu dem, was sie oder er ist. In dem Werkzyklus \u201eblind\u201c zeichnet Sabine Herrmann mit geschlossenen Augen. Sie richtet den Blick nach innen und versucht sich damit von der strengen, akademischen Zeichenausbildung zu befreien.\u00a0 Radierte sie zuerst die Linien ihrer streng akademisch gefertigten Zeichnungen solange, bis sie wiedergaben, was sie w\u00fcnschte, so geht sie beim blinden Zeichnen noch einen Schritt weiter. Die Technik \u00e4hnelt der \u00e9criture automatique, einer Methode der Psychologie, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand, um Unbewu\u00dftes ins Bewu\u00dftsein zu holen, indem die eigene Zensur\u00a0 ausgeschlossen wurde durch die Reduzierung des wachen Bewu\u00dftseins (Augen schlie\u00dfen, Halbschlaf, Trance\u2026etc.) Die Zeichnungen wirken nicht glatt, eher suchend, die Linien flimmern, vibrieren, leben \u2013 einfach so. Und sie zeigen einen Zugang zu eigenen, unzenzierten Empfindungen, zu in Zeit und Raum verdichteten \u201eSensationen\u201c (Friederike Mayr\u00f6cker).<\/p>\n<p>Diese Art zu arbeiten findet eine Fortsetzung in den Werken \u201ehommage\u201c und \u201eongoing dialogue&#8220; (beide 2012), in denen Sabine Herrmann mit beiden H\u00e4nden gleichzeitig die Namen der K\u00fcnstlerinnen, mit deren Werken sie in einem vielf\u00e4ltigen Zwiegespr\u00e4ch steht, auf den Bildgrund schreibt und wieder \u00fcbermalt. In diesem Gewebe aus Zeichen bedeutet es eine Entdeckungsreise f\u00fcr die Betrachter, sich die einzelnen, sehr zeichnerischen Namensz\u00fcge zu erlesen, deshalb sei hier auf ihre Aufz\u00e4hlung verzichtet. Mit beiden H\u00e4nden gleichzeitig zu schreiben durchbricht jede Gewohnheit, geht ins urspr\u00fcnglich Zeichenhafte zur\u00fcck, wirkt unge\u00fcbt, suchend, ja fast ungeschickt. Linke und rechte Hand k\u00f6nnen auch f\u00fcr die linke und rechte Gehirnh\u00e4lfte stehen, links f\u00fcr die Emotionen und rechts f\u00fcr den Intellekt. Zwischen beiden H\u00e4nden (Bereichen) liegt die k\u00fcnstlerische Arbeit und schlie\u00dft damit den Energiekreislauf, ja die Energie flie\u00dft direkt durch sie hindurch.<\/p>\n<p>Es bedarf einer gro\u00dfen seelischen Energie, sich k\u00fcnstlerisch auszudr\u00fccken und man beginnt wohl nur, wenn man sp\u00fcrt, dass einen der Stoff in der Tiefe ber\u00fchrt und umtreibt. Wer sich in dem, was er ist, nicht ausdr\u00fcckt, verpasst eine wichtige M\u00f6glichkeit zu erkennen, wer er ist (Peter Bieri, Wie wollen wir leben, St. P\u00f6lten 2011, S. 46 f.) Die Formen des Ausdrucks m\u00f6gen ganz unterschiedlich sein, aber das, was entsteht, zeigt, so ist man auch. Und in der Zwiesprache mit Werken anderer, die M\u00f6glichkeiten der Identifikation und der Abgrenzung bieten, erf\u00e4hrt man, so ist man auch. Sabine Herrmann zeigt diese Prozesse anschaulich in ihrer Art, sich k\u00fcnstlerisch auszudr\u00fccken. Und um an den ersten Satz dieses Textes anzuschlie\u00dfen, so ist also der eigene Raum, gerade auch der innere, ein Freiraum, Selbsterkenntnis als Quelle von Gl\u00fcck und Freiheit zu erlangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, wenn ich in mein Atelier gehen kann, die T\u00fcr nach drau\u00dfen schlie\u00dfen, und einfach malen kann, sagte Sabine Herrmann einmal in einem Gespr\u00e4ch. 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